Die Wasserwirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Klimawandel, Starkregen, Trockenperioden und alternde Infrastruktur treffen auf eine Realität, in der Lösungen nicht mehr innerhalb einzelner Fachgrenzen entstehen können. Jörg Felmeden und Martina Flörke von wasser^plus OWL sprechen über Verantwortung, Zusammenarbeit und die Zukunft der Wasserwirtschaft.

© TH OWL | wasser^plus OWL | Tabea Pape
Im Projekt wasser^plus OWL arbeiten Wissenschaft, Verwaltung und Praxis enger zusammen als bisher – über Disziplinen, Institutionen und Regionen hinweg. Im Gespräch erklären Prof. Dr.-Ing. Jörg Felmeden (Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe) und Prof.in Dr.-Ing. Martina Flörke (Ruhr-Universität Bochum), warum dieser Ansatz notwendig ist und welche Wirkung er bereits entfaltet.
Was uns motiviert… „Es geht darum, Wasser in der Region anders zu denken“
Jörg Felmeden: Ich bin Verbundprojektleiter. Mich hat von Beginn an motiviert, das Thema Wasser in Ostwestfalen-Lippe (OWL) gemeinsam zu bearbeiten – nicht getrennt nach Zuständigkeiten. Dafür bringen wir Akteurinnen und Akteure zusammen und wollen Lösungen nicht nur entwickeln, sondern auch in die Umsetzung bringen.
Martina Flörke: Ich vertrete die Ruhr-Universität Bochum im Projekt. Mich motiviert besonders das Netzwerken selbst. Gerade im Wassersektor ist klar: Niemand kann die Herausforderungen allein lösen. Es braucht Austausch zwischen sehr unterschiedlichen Partnerinnen und Partnern – genau das ist der Kern dieses Projekts.
Die größte Herausforderung ist nicht das Wissen, sondern das gemeinsame Handeln.
Jörg Felmeden

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Der Klimawandel wirkt wie ein Brennglas und erhöht den Handlungsbedarf
Martina Flörke: Der Klimawandel bündelt viele Entwicklungen gleichzeitig: Starkregen, Trockenheit und Überflutungen treffen auf Infrastrukturen, die darauf nicht ausgelegt sind. Hinzu kommen demografische Veränderungen und steigende Anforderungen an die Versorgung.
Jörg Felmeden: Viele Themen sind bekannt, werden aber dringlicher. Und sie sind nicht isoliert lösbar. Stadtplanung, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft: Alles hängt zusammen. Die größte Herausforderung ist deshalb oft nicht das Wissen, sondern das gemeinsame Handeln.
Nicht mehr im Silo denken
Jörg Felmeden: Der Unterschied zu klassischen Projekten ist: Wir bringen Menschen früh zusammen, die sonst kaum miteinander sprechen – aus Verwaltung, Praxis, Ingenieurwesen und Wissenschaft. Der Ansatz ist klar sektorübergreifend und proaktiv.
Martina Flörke: Das Netzwerk wächst sehr dynamisch. Viele Akteurinnen und Akteure merken erst im Austausch, dass sie vor ähnlichen Herausforderungen stehen und dass Lösungen nur gemeinsam entstehen können.
In wasser^plus OWL entstehen Lösungen, die nicht nur auf dem Papier funktionieren.
Martina Flörke

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Zwei Räume, zwei Perspektiven – und ein Lernprozess in beide Richtungen
Martina Flörke: Die Ruhr-Universität Bochum bringt die Perspektive eines urban geprägten Raums ein. Dort sind die Strukturen anders, oft dichter, aber viele Herausforderungen ähneln sich. Der Austausch mit OWL hilft, Themen aus verschiedenen Blickwinkeln besser zu verstehen.
Jörg Felmeden: Es ist keine Einbahnstraße. Wir lernen in OWL genauso aus urbanen Strukturen wie umgekehrt. Entscheidend ist, dass man voneinander sieht, wie ähnliche Fragestellungen gelöst werden können und was sich übertragen lässt.
Austausch braucht Struktur – und Vertrauen
Jörg Felmeden: Wir treffen uns einmal im Quartal in der Region. Diese Netzwerktreffen wandern zwischen verschiedenen Netzwerkpartnerinnen und -partnern und werden durch digitale Arbeitsgruppen ergänzt.
Martina Flörke: Wichtig ist, dass nicht nur gesprochen, sondern gemeinsam gearbeitet wird. Dafür braucht es Offenheit und den Abbau von Kommunikationshürden.

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Viele Lösungen scheitern nicht an der Idee, sondern an der Umsetzung
Jörg Felmeden: Oft liegt das Problem weniger in der Technik als in der Abstimmung. Ein Beispiel ist ein gemeinsamer Prozess zur landwirtschaftlichen Bewässerung in einer Kommune: Dort wurden Landwirtschaftsbetriebe, Wasserbehörde, Stadtplanungsamt, Naturschutz, Stadtwerke und weitere Beteiligte früh zusammengebracht. Statt nacheinander über Anträge zu entscheiden, wurde gemeinsam entwickelt, welche Lösungen überhaupt genehmigungsfähig und praktisch umsetzbar sind.
Martina Flörke: Genau das ist der Mehrwert: Probleme werden früh sichtbar und gemeinsam bearbeitet. Dadurch entstehen Lösungen, die nicht nur auf dem Papier funktionieren.
Wasser ist Daseinsvorsorge – und betrifft alle
Jörg Felmeden: Wasser wird in der Region zunehmend als Teil der Daseinsvorsorge verstanden. Es geht nicht um eine einzelne Branche, die Produkte liefert, sondern um eine zentrale Grundlage der gesellschaftlichen Versorgung. Gleichzeitig entstehen neue Kooperationen, die es vorher nicht gab.
Eine wichtige Rolle spielt auch die Hochschule als neutraler Ort, der unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt, ohne eigene oder spezifische Interessen zu verfolgen.
Martina Flörke: Vertrauen ist die Grundlage. Nur wenn Akteurinnen und Akteure offen kommunizieren und zusammenarbeiten, entstehen Lösungen, die gemeinsam getragen und umgesetzt werden können.

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Ohne Verstetigung zerfällt das Netzwerk
Jörg Felmeden: Ziel ist die Verstetigung in einer institutionellen Struktur an der Hochschule. Es braucht einen dauerhaften Ort für integrierte Wasserfragen.
Martina Flörke: Sonst bleiben einzelne Kooperationen bestehen, aber das große Ganze würde verloren gehen.
„Es braucht einen Ort, an dem integrierte Wasserfragen dauerhaft zusammenkommen.“
Jörg Felmeden
Ein Satz über wasser^plus OWL…
Jörg Felmeden: Ein Netzwerk, das Menschen zusammenbringt, um Wasserfragen gemeinsam und über Grenzen hinweg zu lösen und diese auch umzusetzen.
Martina Flörke: Eine Plattform, die zeigt, dass Wasserwirtschaft nur gemeinsam zukunftsfähig ist.