Das Projekt „Nachhaltiges Bauen und Sanieren – Dekarbonisierung des Gebäudebestands mit minimiertem Ressourceneinsatz (CO2Bau)“ treibt in Kooperation mit Partnerinnen und Partnern die Bauwende voran. Mit dem Fokus auf Austausch und Kommunikation werden Zukunftskompetenzen einer branchenübergreifenden Community in den Themenbereichen des Bau- und Immobilienwesens entwickelt.

© Mai Vu
Die Dekarbonisierung des Bauwesens ist eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Gebäude verursachen einen erheblichen Anteil der CO₂-Emissionen, des Energieverbrauchs sowie des Ressourcen- und Materialeinsatzes. Gleichzeitig entstehen im Bausektor große Mengen an Abfällen. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, reicht es deshalb nicht aus, Gebäude lediglich energieeffizienter zu machen. Vielmehr müssen bestehende Gebäude ressourcenschonend saniert, Baustoffe wiederverwendet und Stoffkreisläufe geschlossen werden.
Genau an diesem Punkt setzt das Forschungs- und Transferprojekt „Nachhaltiges Bauen und Sanieren – Dekarbonisierung des Gebäudebestands mit minimiertem Ressourceneinsatz“ (CO2Bau) an. Das Projekt wurde vom Institut für lebenswerte und umweltgerechte Stadtentwicklung (In-LUST) der Hochschule Düsseldorf gemeinsam mit der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe und der Detmolder Schule für Architektur initiiert.
Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass die technischen und wissenschaftlichen Lösungen für nachhaltiges und zirkuläres Bauen vielfach bereits vorhanden sind. Häufig fehlt jedoch der Austausch zwischen den verschiedenen Akteursgruppen des Bauwesens. Heutige Herausforderungen bezüglich Nachhaltigkeit bei Bau und Betrieb von Gebäuden sind nur noch ganzheitlich, das heißt gemeinsam in Abstimmung aller Beteiligten in optimaler Weise lösbar.
Insbesondere durch die Kombination der Anforderungen bezüglich Energieeffizienz und Materialeinsatz müssen die Akteurinnen aus Wissenschaft, Nachfrage- und Anbieterseite sowie neuen Angeboten zum zirkulären Bauen Bedürfnisse, Anforderungen und Möglichkeiten definieren und austauschen, um hierüber Marktangebote für ressourcenschonendes Bauen und Betreiben im Sinne eines ganzheitlich nachhaltigen Gebäudebestands zu ermöglichen.
Einem zielführenden und strategischen gemeinsamen Planen und Wirken der diversen Akteurinnen steht, neben der zunehmenden Komplexität des Bauens und Sanierens, eine fehlende Kommunikationsstruktur entgegen. Zudem stellt die Verknüpfung des teils schnell voranschreitenden Standes wissenschaftlicher Erkenntnisse und Material-, Produkt- bzw. Prozessinnovationen mit der Praxis gerade beim Bauen eine besondere Herausforderung dar, weil hier enorm viele Akteurinnen (wie zum Beispiel Architektinnen, Planerinnen, Handwerkerinnen und Unternehmen) beteiligt sind.

© Jennifer Burgmann
Erkenntnisse und Schwerpunkte: Zirkularität als zentrales Zukunftsthema
Im Verlauf des Projekts wurden durch Workshops, Tagungen, Exkursionen, Interviews und digitale Austauschformate zahlreiche Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis zusammengeführt. Im Mittelpunkt standen Fragen der Energieeffizienz, nachhaltiger Baustoffe, der Wiederverwendung von Baumaterialien sowie der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen einer klimaneutralen Bauwirtschaft.
Dabei zeigte sich zunehmend, dass insbesondere das zirkuläre Bauen und Planen als Schlüsselthema für die Transformation des Bauwesens aber auch die Komplexität der neuen Prozesse auch abschreckend wahrgenommen werden. Viele der identifizierten Herausforderungen und Lösungsansätze konzentrierten sich auf die Verlängerung von Materiallebenszyklen, die Wiederverwendung von Bauteilen sowie die Etablierung geschlossener Stoffkreisläufe.
Die intensive Zusammenarbeit mit Akteur*innen aus Planung, Handwerk, Forschung, Verwaltung und Wirtschaft machte deutlich, dass in diesem Bereich ein erheblicher Innovations- und Handlungsbedarf aber gleichfalls auch die Notwendigkeit des Informationsaustauschs bzw. des Abbaus von Hemmnissen und Hürden besteht. Aus den im Projekt entstandenen Netzwerken und Diskussionen entwickelten sich daher unmittelbar neue Forschungs- und Transferprojekte, die die im Rahmen von CO2Bau identifizierten Themen weiterverfolgen.

© Jennifer Burgmann
Wissenstransfer als Schlüssel zur Bauwende
Ein zentrales Ziel von CO2Bau ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis nutzbar zu machen und gleichzeitig Erfahrungen aus der Praxis in Forschung und Lehre zurückzuführen. Dazu wurde eine Kooperationsstruktur aufgebaut, die unterschiedliche Kommunikations- und Austauschformate miteinander verbindet.
Das Praxis-Informationsmodul umfasst unter anderem Interviews und Exkursionen zu Praxispartnerinnen. Ergänzt wird dieses durch digitale Formate wie Online-Befragungen, Newsletter und die Projektwebsite. Im Kommunikationsmodul stehen Workshops, Tagungen und dialogorientierte Austauschformate im Mittelpunkt. Entscheidend für den Erfolg ist dabei die enge Verknüpfung von Wissensvermittlung und praktischer Anwendung.
Im Projektverlauf wurde deutlich, dass erfolgreiche Transformationsprozesse nicht allein auf technische Innovationen angewiesen sind. Ebenso wichtig sind geeignete Formate, um unterschiedliche Akteurinnen miteinander ins Gespräch zu bringen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Die interdisziplinären Veranstaltungen tragen wesentlich dazu bei, Hemmnisse sichtbar zu machen, -Beispiele weiterzugeben und neue Kooperationen anzustoßen.
Um diese Erfahrungen dauerhaft verfügbar zu machen, entsteht als weiteres Projektergebnis ein Methodenhandbuch. Es dokumentiert sieben erprobte Veranstaltungsformate sowie 24 dazugehörige Methoden und bietet Netzwerkpartnerinnen praktische Hilfestellungen für zukünftige Austausch- und Beteiligungsprozesse. Eine digitale Kooperationsplattform soll gemeinsam mit dem Handbuch die Grundlage für die Verstetigung des Netzwerks und vor allem für den Austausch der bisherigen und bestenfalls neuer Akteurinnen dienen.
Die digitale Kooperationsplattform
Ein wesentliches Ergebnis des Projekts ist die Entwicklung einer digitalen Kooperationsplattform für Akteurinnen aus dem Bausektor. Ziel ist es, Wissen zu bündeln, Hemmnisse sichtbar zu machen und Akteurinnen verschiedener Disziplinen dauerhaft miteinander zu vernetzen und nachhaltiges Bauen zu forcieren.
Die Plattform wird nutzerorientiert entwickelt. Grundlage bilden Interviews, Befragungen und Austauschformate, in denen die Bedürfnisse der Zielgruppen ermittelt wurden. Auf dieser Basis entwickelt das Projektteam in Kooperation mit einem Studierendenseminar der Medienwissenschaften der Hochschule Düsseldorf ein Konzept für Aufbau, Struktur und Gestaltung der Website.
Die Plattform versteht sich nicht als reine Informationssammlung, sondern als Netzwerk für Wissenstransfer, Kommunikation und Kooperation. Sie wird dazu dienen, wissenschaftliche Erkenntnisse zugänglich zu machen, Praxiserfahrungen sichtbar werden zu lassen und neue Projekte sowie bisherige Partnerschaften abzubilden bzw. neue Kooperationen anzubahnen.
Folgeprojekte und nachhaltige Wirkung
Der Erfolg von CO2Bau zeigt sich nicht zuletzt daran, dass aus den entstandenen Netzwerken bereits neue Projekte hervorgegangen sind.
Mit dem Projekt (Kompetenzzentrum für zirkuläre(s) Handwerk und Bauwirtschaft: Ein Bauteillager als Reallabor für Bildung, Transfer, Handwerk und Baukultur im Kreislauf) wird die Wiederverwendung von Bauteilen weiter vorangetrieben. Im Mittelpunkt stehen der Aufbau eines Wissens- und Transferzentrums sowie die prototypische Erprobung eines Bauteillagers als Reallabor für zirkuläres Bauen. Ziel ist es, Materialkreisläufe zu schließen, -Materialien leichter verfügbar zu machen und gleichzeitig Bildungs- und Qualifizierungsangebote für unterschiedliche Zielgruppen bereitzustellen.
Ein weiteres Folgeprojekt ist RE-LOOP-TGA (Ressourcen-Effizienz durch plattformgesteuerte für kreislauffähige Wertschöpfung in der technischen Gebäudeausrüstung mit dem Handwerk als Schlüsselakteur), das sich mit der Wiederverwendung von Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung beschäftigt. Aufbauend auf Interviews, Erkenntnissen und geknüpften Partnerschaften aus CO2Bau werden hier digitale Werkzeuge und standardisierte Prozesse entwickelt, um den Rückbau, die Aufbereitung und den Wiedereinsatz von TGA-Komponenten zu erleichtern.
Ausblick: Die Abschlussevaluation
Zum Abschluss der Projektlaufzeit erfolgt eine umfassende Evaluation. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Nutzen die Teilnehmenden aus den verschiedenen Formaten und Aktivitäten ziehen konnten und welche Faktoren die Zusammenarbeit besonders gefördert oder erschwert haben.
Darüber hinaus werden die Ergebnisse mit einer zu Beginn des Projekts durchgeführten Erhebung verglichen. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie sich Sichtweisen auf nachhaltiges Bauen, wahrgenommene Hemmnisse, Chancen und Handlungsbedarfe im Verlauf der Projektlaufzeit verändert haben.
Bereits heute zeigt sich jedoch, dass CO2Bau weit mehr als ein Forschungsprojekt ist. Das Vorhaben hat Akteur*innen miteinander vernetzt, neue Kooperationen angestoßen und konkrete Folgeprojekte hervorgebracht. Damit leistet CO2Bau einen wichtigen Beitrag dazu, nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen dauerhaft in Praxis, Forschung und Lehre zu verankern.
Links zum Projekt
Kontakt zum Projekt
Prof. Dr.-Ing. Eike Musall, M.Sc.Arch.
Professur für Gebäudeperformance
Fachbereich Architektur
Institutsleitung Institut für lebenswerte und umweltgerechte Stadtentwicklung (In-LUST)
Hochschule Düsseldorf
eike.musall@hs-duesseldorf.de